
Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) will den gesamten städtischen Linienverkehr bis Ende 2026 auf Elektrobetrieb umstellen. Grundlage dafür sind der Ausbau des Oberleitungsnetzes um insgesamt fünf Kilometer und die Beschaffung von 52 neuen Oberleitungsbussen. Mehrere Ausbauabschnitte sind bereits abgeschlossen oder im Bau, die ersten neuen Fahrzeuge sollen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.
Fortschritte beim Ausbau der Oberleitungen
Im vergangenen Winter hat der SVE in der Pliensauvorstadt einen ersten Abschnitt des Oberleitungsnetzes fertiggestellt. Die Strecke in der Stuttgarter Straße ist auf 1,1 Kilometer Länge errichtet worden und wurde bislang zu Testzwecken befahren. Laut dem technischen Werkleiter Johannes Müller kann die Strecke in den Regelbetrieb genommen werden, sobald gegen Ende des Jahres die zusätzlichen Busse mit Oberleitungstechnik geliefert sind.
Im Herbst folgte der Ausbau auf dem Zollberg. Dort ist die Strecke an der Haltestelle Nellinger Linde nun an das Oberleitungsnetz angeschlossen; die Leitung reicht bis in den Jusiweg. Für den SVE ist dieser kurze Abschnitt wichtig, weil die Busse ab dem Pliensauturm den Anstieg nach Berkheim ausschließlich aus Batterieleistung bewältigen und daher immer wieder an Oberleitungen aufgeladen werden müssen. Müller betonte: „Daher sind wir froh um jeden Meter, bei dem wir unsere Busse wieder aufdrahten und deren Batterie aufladen können.“
Bei der Anlage auf dem Zollberg wurde zudem erstmals eine Weiche eines neuen Herstellers installiert. Rund zwei Dutzend solcher Weichen werden im Stadtgebiet schrittweise ausgetauscht, um auf ein moderneres und wirtschaftlicheres System umzustellen. Die 52 neuen Busse sind mit dieser Technik kompatibel; ältere Fahrzeuge sollen entsprechend nachgerüstet werden.
Nächste Bauabschnitte und Verkehrssteuerung
Seit Dezember 2025 läuft der dritte von vier geplanten Ausbauabschnitten. Die Strecke von der Rotenackerstraße in Richtung Neckar Forum umfasst etwa 1,3 Kilometer. Erste Masten wurden bereits gestellt, die Fertigstellung dieses Abschnitts ist nach Angaben des SVE für Ende April vorgesehen. Die Oberleitung ist dort vor allem in städtauswärtiger Richtung geplant, weil die Busse auf bergauf führenden Strecken Energie zuführen müssen. Beim Hirschlandkopf erwartet der SVE besondere logistische Herausforderungen, um eine Vollsperrung der Kreuzung zu vermeiden. Die Masten sollen Mitte Februar errichtet werden, das Ziehen der Oberleitung ist für April vorgesehen.
Ab Sommer ist der Ausbau des Altstadtrings geplant. Der Bereich zwischen Schelztorhalle und der Kreuzung Maille soll bis Ende des Jahres mit Oberleitungen ausgestattet werden und zwar in beiden Fahrtrichtungen. Für den Altstadtring rechnet der Werkleiter mit Arbeiten als Wanderbaustelle und mit guter Umleitungsmöglichkeit. An den Kreuzungen Maille und Neckar Forum sind hingegen tagsüber Einschränkungen zu erwarten; daher sollen dort auch Nachtarbeiten durchgeführt werden, um den regulären Verkehr weniger zu belasten.
Produktion der neuen Busse und Zulassung
Parallel zum Leitungsbau schreitet die Produktion der 52 neuen Oberleitungsbusse voran. Anfang März gehen die Fahrzeuge bei Škoda Electric in Produktion. Voraussichtlich im Juni wird der SVE die ersten beiden Neufahrzeuge erhalten: einen Standardbus und einen Gelenkbus. Diese Fahrzeuge sollen ausgiebig getestet werden und dienen außerdem zur Beantragung der notwendigen Zulassung beim Regierungspräsidium.
Nach Abschluss der Testphase ist eine gestaffelte Auslieferung der übrigen Fahrzeuge vorgesehen, damit mögliche Nachbesserungen noch berücksichtigt werden können. Wenn bis Jahresende alle 52 neuen Busse eingetroffen sind, verfügt der SVE zusammen mit den bisher zehn Oberleitungsbussen über einen vollständig elektrischen Fuhrpark.
Mit der Umsetzung der Pläne würde Esslingen zu den ersten Städten in Deutschland zählen, die ihren gesamten öffentlichen Nahverkehr elektrisch betreiben. Der genaue Verlauf bleibt von pünktlichen Lieferungen, der Abstimmung der Bauabläufe und der Koordination mit Verkehrsteilnehmern abhängig.
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