
Seit 26 Jahren betreut Gabriele Quade die städtischen Taubenschläge in Esslingen. Mit regelmäßiger Reinigung, Fütterung und einer gezielten Methode zur Reduzierung der Fortpflanzung hat sie die Population in der Stadt deutlich verringert. Nun sucht die 71 Jahre alte Taubenwartin Unterstützung, weil sie die Arbeit nur noch begrenzt in der jetzigen Intensität allein leisten kann.
Die Methode zur Bestandskontrolle
Quade setzt auf gezielte Eingriffe bei der Brutpflege: frisch gelegte Eier werden gegen Plastikeier ausgetauscht. Tauben brüten in der Regel acht bis neun Mal im Jahr, was zu einer schnellen Vermehrung führen kann. Durch den Austausch bleibt das Brütverhalten erhalten, gleichzeitig schlüpfen keine Jungen. Nach 16 bis 17 Tagen, wenn keine Küken schlüpfen, setzen die Tiere ihr Verhalten fort und beginnen einen neuen Brutzyklus. Gelegentlich lässt Quade einzelne Eier ausbrüten, um besonders sensible Tiere zu entlasten und das Verhalten der Gruppe positiv zu beeinflussen.
Tägliche Arbeit und Einsatzorte
Die Taubenwartin ist täglich mehrere Stunden im Einsatz. Zu ihren Aufgaben gehören die Reinigung der Schläge, das Tragen schwerer Futtersäcke und Wasserkanister sowie die Kontrolle potenzieller Brutplätze auf Dächern anhand von Kotspuren. In Esslingen gibt es mehrere angelegte Schläge: im Neuen Rathaus, im Gebäude der Stadtkämmerei, im Technischen Rathaus und beim Verkehrsunternehmen. Die Bestandszahlen variieren: an einem Standort leben normalerweise bis zu 70 Tiere, an anderen etwa 65 beziehungsweise rund 30. Ein weiterer Schlag im QBUS Parkhaus wurde wegen Sanierungsarbeiten abgebaut; Ende Juni ist dort ein neuer Schlag geplant.
Quade berät Eigentümer und Gewerbetreibende, empfiehlt Schutzmaßnahmen wie Netze oder Drahtgeflecht und weist auf Risiken durch Fütterung hin. Brot oder gesalzene Speisen schaden den Vögeln und das Füttern ist untersagt. Bei wiederholtem Verstoß drohen Bußgelder. Zudem greift sie bei frei gelassenen weißen Tauben auf Hochzeiten ein, weil sie dies als Tierquälerei bewertet, und nimmt verletzte Tiere in Pflege. In ihrem Zuhause versorgt sie regelmäßig 15 bis 20 Vögel und arbeitet dazu eng mit dem örtlichen Tierheim zusammen.
Suche nach Ehrenamtlichen und Perspektive
Quade erhält von der Stadt eine Aufwandsentschädigung, führt die Arbeit aber derzeit allein aus. Angesichts ihres Alters rechnet sie damit, die intensive Tätigkeit nur noch für etwa drei weitere Jahre in dieser Form fortführen zu können. Sie wünscht sich deshalb Unterstützung. Gesucht werden Personen mit Zeit, Ausdauer und Verständnis für Stadttauben, die Aufgaben wie Reinigung der Schläge, Kontrolle der Brutplätze und die Versorgung verletzter Tiere übernehmen können.
Quelle anzeigen

