
Wegen der anhaltenden Hitzewelle hat die Stadt Stuttgart bis heute Mitternacht eine Außergewöhnliche Einsatzlage verhängt, um Klinikum und Rettungsdienste zu entlasten. Krankenhäuser und Hilfsorganisationen melden ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen und eine starke Belastung der Einsatzkapazitäten. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, Hitze zu meiden, viel zu trinken und körperliche Anstrengung zu vermeiden.
Warum die Einsatzlage ausgelöst wurde
Die Untere Katastrophenschutzbehörde begründete die Maßnahme mit der hohen Zahl hitzebedingter Betreuungsfälle, durch die das Klinikum Stuttgart und die beteiligten Hilfsorganisationen an ihre Kapazitätsgrenzen geraten seien. Die Ausrufung der Außergewöhnlichen Einsatzlage erlaubt es, zusätzliche Ressourcen des Katastrophenschutzes zu aktivieren und damit kurzfristig mehr Krankentransportwagen und Einsatzkräfte bereitzustellen.
Die Ausrufung erfolgte am Samstagabend um 18.30 Uhr. Ab dem frühen Nachmittag wurden weitere Fahrzeuge des Katastrophenschutzes in Dienst genommen. Die eingesetzten Krankentransportwagen werden unter anderem von DLRG, Deutschem Roten Kreuz, Johannitern und Maltesern betrieben und von ehrenamtlichen Kräften besetzt. Die Branddirektion koordiniert die Maßnahmen in Abstimmung mit dem Rettungsdienst und anderen beteiligten Behörden.
Lage in Klinikum und Rettungsdiensten
Die Integrierte Leitstelle Stuttgart, die von der Branddirektion und dem Deutschen Roten Kreuz betrieben wird, berichtet von einer deutlich gestiegenen Einsatzlage durch die anhaltende Hitze. Die Einsatzkräfte hätten eine hohe Schlagzahl, dennoch sei zusätzliche Unterstützung nötig. „Auch bei der hohen Schlagzahl unserer Kräfte benötigen wir zusätzliche Unterstützung, um die Einsätze an diesen extremen Tagen zu bündeln. Die Ausrufung der Einsatzlage hilft uns dabei. Zugleich brauchen wir selbstverantwortliches Handeln der Bevölkerung, damit möglichst wenige Notfälle entstehen“, heißt es aus der Leitstelle.
Das Klinikum Stuttgart als Maximalversorger verzeichnet nach Angaben des medizinischen Vorstands weiterhin deutlich mehr Patientinnen und Patienten in den Notaufnahmen, auch nachts. „Die Zahl der Notfälle ist weiter gestiegen und umfasst schwerste hitzebedingte Störungen mit Organversagen und neurologischen Komplikationen“, sagt Prof. Jan Steffen Jürgensen. Betroffen seien überwiegend, aber nicht ausschließlich, ältere und vulnerable Menschen mit Vorerkrankungen, die nun intensivmedizinisch behandelt werden. Die Klimatisierungs- und Raumlufttechnik des Hauses sei stark belastet und werde durch Extraschichten stabilisiert. Schwere Ausfälle, wie sie in anderen Kliniken gemeldet wurden, gebe es bislang nicht.
Appell an die Bevölkerung und praktische Hinweise
Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Klinikpersonal arbeiten nach eigener Darstellung an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund fordern die Behörden die Bevölkerung auf, die Gefahren der Hitze ernst zu nehmen: Möglichst kühle Orte aufsuchen, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und körperliche Anstrengung vermeiden. Solche Verhaltensweisen sollen dazu beitragen, weitere hitzebedingte Notfälle und damit zusätzliche Belastungen für die Einsatzkräfte zu verhindern.
Die Stadt richtet ihre Einsatzplanung darauf aus, die Zahl der zur Verfügung stehenden Transportfahrzeuge bei Bedarf schnell zu erhöhen. Für eine Entspannung der Lage verweisen Wetterberichte auf eine leichte Abkühlung, die nach Angaben der Behörden voraussichtlich ab Montag zu erwarten ist.
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