Wochenlange Hitze in Esslingen belastet Kliniken, Versorgung und städtische Dienste

Wochenlange Hitze in Esslingen belastet Kliniken, Versorgung und städtische Dienste
Wochenlange Hitze in Esslingen belastet Kliniken, Versorgung und städtische Dienste

Esslingen erlebt seit mehr als einer Woche Temperaturen deutlich über 30 Grad und dauernde Warnungen des Deutschen Wetterdienstes. Die anhaltende Hitze wirkt sich auf Krankenhäuser, Trinkwasserverbrauch, Grünflächenpflege, kommunale Arbeitsabläufe und das öffentliche Leben aus. Verantwortliche sprechen von einem Vorgeschmack auf ein künftig heißeres Klima und von Anpassungsbedarf.

Mehr Patienten und hitzebedingte Notfälle

Das Klinikum Esslingen registriert nach Angaben der Leitung der Klinik für Akut und Notfallmedizin einen Anstieg der Einlieferungen älterer Patientinnen und Patienten. In den vergangenen Tagen habe die Zahl der älteren Fälle um etwa 15 bis 20 Prozent zugenommen, sagt Chefarzt Dr. Johannes Wagner. Häufige Beschwerden seien Schwindel, Kreislaufschwäche, Kopfschmerzen und Dehydrierung. Auch Fälle von Hitzeerschöpfung und Verschlechterungen bei bestehenden Herz Kreislauf Erkrankungen würden zunehmen.

Wagner berichtet zudem von einem Patienten mit Hitzschlag und einer Körpertemperatur von 42 Grad. Mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und bei Bedarf Infusionen lasse sich vielen Betroffenen schnell helfen, so der Chefarzt.

Mehr Wasserverbrauch und intensives Gießen von Grünanlagen

Die Stadtwerke Esslingen verzeichnen an den Hitzetagen einen deutlich höheren Trinkwasserverbrauch. Aktuell liege der Verbrauch pro Tag etwa 25 Prozent über dem üblichen Wert. Am besonders heißen 22. Juni wurden demnach rund 20 000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht. Der Verbrauch steigt besonders in den Abendstunden zwischen 18 und 20 Uhr, wenn häufiger gegossen und geduscht wird.

Die Beschäftigten des Grünflächenamts sind ebenfalls stark gefordert. Leiter Matthias Scheider beschreibt die Situation so: Die Teams seien permanent beim Gießen im Einsatz. Bis zu sechs Gießfahrzeuge bringen laut Stadtverwaltung jeweils bis zu 50 Kubikmeter Wasser pro Tag aus. Vorrang haben junge Bäume und neu angelegte Rasenflächen, die vor anstehenden Veranstaltungen wie dem Schwörfest und dem Kino auf der Burg erhalten werden sollen.

Arbeitsabläufe bei städtischen Diensten werden angepasst

Um die Belastung für Mitarbeitende zu reduzieren, beginnen städtische Teams seit einigen Wochen deutlich früher. Der Leiter des Bauhofs, Hans Joachim Pietsch, sagt, die Teams starteten bereits um 6 Uhr morgens und könnten bei starker Hitze früher Feierabend machen. Für Schutz vor Sonne stehen Sonnencreme und Hüte zur Verfügung.

Ähnlich organisiert der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen seine Einsätze. Laut Geschäftsführer Michael Potthast legen Mitarbeitende der Müllentsorgung täglich bis zu 15 Kilometer zu Fuß zurück und bewegen dabei bis zu zehn Tonnen Material. Die körperliche Arbeit in Verbindung mit direkter Sonnenstrahlung stelle derzeit eine extreme Herausforderung dar. Deshalb beginnen die Teams ebenfalls um 6 Uhr. Die Entsorger bitten die Bevölkerung, Mülltonnen bis spätestens 6 Uhr bereitzustellen.

Schulen, Museen und öffentliches Leben

Die Hitzewelle hat das kulturelle und schulische Angebot beeinflusst. Das J. F. Schreiber Museum blieb zeitweise geschlossen, weil im Dachgeschoss des Salemer Pfleghofs Temperaturen herrschten, die einen regulären Besuch, insbesondere für Kinder, nicht zuließen.

In den Ganztagsgrundschulen konnten Eltern ihre Kinder auf Wunsch bereits nach dem Mittagessen abholen. Die Nachmittagsbetreuung wurde angepasst mit Rückzugsmöglichkeiten in kühlere Räume, Aktivitäten in schattigen Gärten und Wasserspielen. Weiterführende Schulen treffen individuelle Entscheidungen. Am Schelztor Gymnasium etwa entfiel in dieser Woche für die Klassenstufen fünf bis zehn der Unterricht nach der sechsten Stunde, während die Oberstufe am Nachmittag weiter unterrichtet wurde.

Waldbrandgefahr, Neckar und Sicherheitsvorkehrungen

Die Feuerwehr beobachtet zwei konkrete Risiken. Andreas Gundl von der Feuerwehr Esslingen sagt, die Schutzkleidung werde je nach Lage angepasst, und viel Trinken sei unverzichtbar. Rund um Esslingen wird die Waldbrandgefahr derzeit als hoch eingestuft. Offene Feuer im Freien sind untersagt, und es wird zur Vorsicht beim Umgang mit glimmenden Zigaretten geraten.

Gundl warnt außerdem vor dem Baden im Neckar. Auch wenn neue Uferbereiche zum Verweilen einladen, seien Strömungen, Schiffsverkehr und schwer einschätzbare Gefahren eine erhebliche Gefahr für Schwimmende.

Ausblick und Anpassungsbedarf

Für Dr. Katja Walther, Leiterin der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sind die aktuellen Temperaturen ein Vorgeschmack auf künftige Verhältnisse. Sie erwartet, dass Esslingen künftig häufiger und länger unter solchen Hitzewellen leiden wird. Vor diesem Hintergrund betont Walther die Notwendigkeit, die Stadt konsequent an die Folgen des Klimawandels anzupassen, etwa durch die Pflanzung von Schatten spendenden Bäumen und weitere Schutzmaßnahmen für verletzliche Bevölkerungsgruppen.

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